SOLIDWORKS Simulation ist ein leistungsstarkes Werkzeug für Ingenieure, die ihre Konstruktionen validieren und das Verhalten in der Praxis vorhersagen möchten. Wie jede anspruchsvolle Software kann es jedoch bei unsachgemäßer Anwendung zu ungenauen Ergebnissen führen. Dieser Blogbeitrag beleuchtet fünf häufige Fehler in SOLIDWORKS Simulation und gibt praktische Tipps, wie diese vermieden werden können.

Fehler 1: Unzureichend definierte Befestigungselemente und Lasten
Einer der wichtigsten Aspekte jeder Simulation ist die präzise Abbildung der realen Randbedingungen. Viele Anwender machen den Fehler, ihre Vorrichtungen und Lasten zu stark zu vereinfachen oder nicht vollständig zu definieren, was zu unrealistischen Spannungsverteilungen und Verschiebungen führt.

Wie man es vermeiden kann:
- Machen Sie sich mit Ihrer Anwendung vertraut: überhaupt öffnen SOLIDWORKS , sollten Sie genau verstehen, wie Ihr Bauteil in seiner tatsächlichen Umgebung eingeschränkt und belastet wird.
- Realistische Einschränkungen verwenden: Nicht einfach überall „Feste Geometrie“ anwenden. Erwägen Sie die Verwendung von „Rolle/Gleit“ für Flächen, die sich tangential, aber nicht senkrecht bewegen können, oder „Elastische Unterstützung“ für komplexere grundlegende Interaktionen.
- Lasten präzise anwenden: Kräfte und Drücke realitätsnah verteilen. Bei Lastaufbringung über eine Schraube empfiehlt sich die Verwendung von „Schraubenverbindern“ oder die Lastaufbringung auf die Auflageflächen der Schraubenlöcher. Für komplexe Lastszenarien ist die Verwendung von „Fernlasten/Massen“ zur genauen Darstellung ratsam.
- Überprüfung mit Freikörperdiagrammen: Erstellen Sie ein Freikörperdiagramm Ihres Bauteils. Diese einfache Übung hilft Ihnen, alle Kräfte und Zwangsbedingungen zu visualisieren und sicherzustellen, dass in Ihrer Simulationskonfiguration nichts übersehen wird.
Fehler 2: Ungeeignete Materialeigenschaften
SOLIDWORKS Simulation basiert maßgeblich auf den Materialeigenschaften Ihrer Bauteile. Die Verwendung falscher oder standardmäßiger Materialeigenschaften ist ein häufiger Fehler, der Ihre Ergebnisse völlig verfälschen kann. Beispielsweise führt die Verwendung einer Standardstahllegierung für ein Bauteil aus einem speziellen Polymer zu drastisch abweichenden und falschen Ergebnissen.

Wie man es vermeiden kann:
- Materialdaten prüfen: Vergewissern Sie sich stets, dass die von Ihnen verwendeten Materialeigenschaften (Elastizitätsmodul, Querkontraktionszahl, Streckgrenze usw.) das tatsächliche Material Ihres Bauteils genau widerspiegeln.
- Benutzerdefinierte Materialien: Falls Ihr Material nicht in der SOLIDWORKS , erstellen Sie ein benutzerdefiniertes Material und geben Sie die korrekten Eigenschaften aus Datenblättern oder Materialtests ein.
- Temperatureinflüsse: Beachten Sie, dass sich Materialeigenschaften mit der Temperatur erheblich verändern können. Wenn Ihre Anwendung mit variierenden Temperaturen verbunden ist, sollten Sie, falls verfügbar, temperaturabhängige Materialeigenschaften verwenden oder mehrere Untersuchungen bei unterschiedlichen Temperaturextremen durchführen.
- Nichtlineare Materialien: Bei Materialien wie Gummi oder Kunststoffen, die großen Verformungen ausgesetzt sind, reichen linear-elastische Modelle möglicherweise nicht aus. Verwenden Sie nichtlineare Materialmodelle für eine genauere Beschreibung.
Fehler 3: Mangelhafte Netzqualität und -dichte
Das Netz ist die Grundlage jeder Finite-Elemente-Analyse (FEA). Ein minderwertiges Netz kann zu ungenauen Spannungskonzentrationen, numerischen Instabilitäten und unnötig langen Berechnungszeiten führen. Ein zu grobes Netz erfasst kritische Spannungsgradienten nicht, während ein zu feines Netz übermäßig viele Rechenressourcen verbraucht, ohne die Genauigkeit wesentlich zu verbessern.
Wie man es vermeiden kann:
- Beginnen Sie mit einem globalen Netz: Beginnen Sie mit einem gröberen globalen Netz, um ein erstes Verständnis der Spannungsverteilung zu erlangen.
- Kritische Bereiche optimieren: Sobald Sie Bereiche mit hoher Spannungskonzentration (z. B. Abrundungen, Bohrungen, scharfe Ecken) identifiziert haben, verwenden Sie die „Netzsteuerung“, um das Netz in diesen Bereichen zu verfeinern. Dies ermöglicht eine genauere Spannungsberechnung an den wichtigsten Stellen, ohne das gesamte Modell zu stark zu vernetzen.
- Netzqualität prüfen: Mithilfe des „Netzqualitätsdiagramms“ lassen sich Elemente mit ungünstigen Seitenverhältnissen oder Jacobi-Werten identifizieren. Für diese Bereiche kann eine Neuvernetzung oder die Anpassung der Netzparameter erforderlich sein.
- H-Adaptivität und P-Adaptivität: Nutzen Sie SOLIDWORKS Simulation. Die H-Adaptivität verfeinert das Netz automatisch in Bereichen mit hohem Gradienten, während die P-Adaptivität den Polynomgrad der Elemente erhöht. Beides führt zu genaueren Ergebnissen bei geringerem manuellem Aufwand.
Fehler 4: Übersehen der Kontaktbedingungen
Bei Baugruppen ist die Wechselwirkung der Bauteile untereinander von entscheidender Bedeutung. Das Versäumnis, geeignete Kontaktbedingungen zu definieren (oder sich ausschließlich auf den Standardkontakt „Verbunden“ zu verlassen), ist ein häufiger Fehler, der zu physikalisch unmöglichen Ergebnissen führen kann, wie z. B. dass sich Bauteile durchdringen oder eine fehlerhafte Lastübertragung stattfindet.

Wie man es vermeiden kann:
- Teileinteraktion verstehen: Ermitteln Sie, wie sich Ihre Komponenten physisch berühren und interagieren.
- Kontakt ohne Durchdringung: Für die meisten realistischen Interaktionen, bei denen sich Teile lediglich berühren und gegeneinander drücken, ohne sich zu verbinden, verwenden Sie die Kontaktoption „Kontakt ohne Durchdringung“. Dies verhindert ein gegenseitiges Durchdringen und simuliert Druckkräfte präzise.
- Reibung: Wenn Reibung eine wesentliche Rolle spielt, definieren Sie einen Reibungskoeffizienten für Ihre Kontaktpaare. Dies ist unerlässlich für Anwendungen, die Gleiten oder Greifen beinhalten.
- Verbunden vs. Frei: Es ist wichtig zu verstehen, wann „Verbunden“ (Teile sind fest verbunden und bilden eine Einheit) und wann „Frei“ (kein definierter Kontakt, Teile können sich durchdringen) verwendet werden sollte. Der standardmäßige globale Kontakt „Verbunden“ kann gefährlich sein, wenn er nicht beabsichtigt ist.
- Komponentenkontaktsätze: Verwenden Sie spezifische „Komponentenkontaktsätze“ für kritische Schnittstellen, anstatt sich auf globale Kontaktdefinitionen zu verlassen, insbesondere in komplexen Baugruppen.
Fehler 5: Fehlinterpretation der Ergebnisse
Das Erstellen ansprechender Spannungsdiagramme ist nur die halbe Miete; ebenso wichtig ist es, deren Bedeutung zu verstehen. Ein häufiger Fehler besteht darin, lediglich den maximalen Spannungswert zu betrachten, ohne dessen Auftreten, die Art der Spannung oder die Grenzen der Simulation zu berücksichtigen.

Wie man es vermeiden kann:
- Spannungsarten verstehen: Unterscheiden Sie zwischen der Von-Mises-Spannung (wird für das Fließen in duktilen Werkstoffen verwendet), den Hauptspannungen (nützlich für spröde Werkstoffe und zum Verständnis von Zug/Druck) und der Schubspannung.
- Der Ort ist entscheidend: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf den maximalen Spannungswert, sondern verstehen Sie, wo er auftritt. Liegt er an einem bekannten Spannungskonzentrationspunkt (z. B. einer scharfen Ecke), der in der Praxis durch eine Abrundung gemildert werden könnte, oder befindet er sich in einem kritischen, tragenden Bereich?
- Deformationsskala: Vorsicht vor übertriebenen Deformationsdiagrammen. Sie sind zwar visuell hilfreich, können aber kleine, akzeptable Deformationen katastrophal erscheinen lassen. Überprüfen Sie daher immer die tatsächlichen Verschiebungswerte.
- Sicherheitsfaktor: Betrachten Sie nicht nur die Belastung; berechnen und verstehen Sie Ihren Sicherheitsfaktor. Dies liefert ein klareres Bild davon, wie nah Ihre Konstruktion an einem Versagen ist.
- Validierung und manuelle Berechnungen: Validieren Sie Ihre Simulationsergebnisse nach Möglichkeit durch manuelle Berechnungen, empirische Daten oder physikalische Tests, insbesondere bei kritischen Konstruktionsaspekten. Dies stärkt das Vertrauen in Ihren Simulationsansatz.
- Konvergenz: Bei komplexen Untersuchungen stellen Sie sicher, dass Ihre Ergebnisse konvergiert sind (z. B. dass sich die Spannungswerte mit zunehmender Verfeinerung des Netzes stabilisieren).
Hanen Bdioui ist Chefredakteurin bei ChampionXperienceund verantwortet dort die Inhalte zu CAD, VR und neuen Ingenieurtechnologien. Sie arbeitet als Content Creator und SOLIDWORKS Application Engineer bei Dassault Systèmes und schreibt als technische Autorin für Engineering.com und EngineerRules über Themen aus den Bereichen CAD, PLM und Simulation. Darüber hinaus erstellt Hanen spezialisierte Inhalte für 3DEXCITE, die 3DEXPERIENCE Plattform und Onshapeund unterstützt Ingenieure und Unternehmen bei der Einführung moderner digitaler Arbeitsabläufe.