Wie gelingt der Übergang der globalen Schwerindustrie in eine CO₂-neutrale Zukunft, wenn erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne naturgemäß nicht kontinuierlich verfügbar sind? Grüner Wasserstoff hat sich als vielversprechende Lösung erwiesen, da er sowohl als sauberer Kraftstoff als auch als massiver Energiespeicher dient. Die Entwicklung eines skalierbaren und effizienten Wasserstoff-Ökosystems stellt jedoch eine äußerst komplexe technische Herausforderung dar. Die Balance zwischen schwankender Energiezufuhr, den Anforderungen an die Hochdruckspeicherung und den strengen Reinheitsanforderungen des Gases erfordert mehr als herkömmliches Trial-and-Error-Verfahren.
Um diese Hürden zu überwinden, setzen Ingenieure zunehmend auf virtuelle Prototypen. Mithilfe von CATIA Dymola und spezialisierten Modelica- Bibliotheken können Entwicklungsteams komplexe Wasserstoffsysteme nun lange vor dem physischen Einsatz simulieren, optimieren und validieren. Dieser Ansatz schließt die Lücke zwischen Konzeptentwurf und realer Leistung und reduziert Entwicklungsrisiken erheblich.
In diesem Beitrag untersuchen wir, wie die neuesten Updates in CATIA Dymola 2026 die Entwicklung von Wasserstoffsystemen revolutionieren, von der anfänglichen Elektrolyse bis zur hochreinen nachgelagerten Aufbereitung.
Die Produktion von grünem Wasserstoff basiert auf Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien. Solaranlagen und Windkraftanlagen liefern jedoch keine konstante und planbare Leistung. Diese Schwankungen führen zu erheblichen thermischen und mechanischen Belastungen der nachgeschalteten Anlagen, insbesondere der PEM-Elektrolyseure.
Ingenieure müssen Systeme entwickeln, die dynamisch auf diese schwankenden Eingangsgrößen reagieren können, ohne die Gesamteffizienz oder Sicherheit zu beeinträchtigen. Eine falsche Dimensionierung des Systems führt zu massiver Energieverschwendung oder vorzeitigem Geräteausfall. Mithilfe von Systemsimulationen können Teams verschiedene Betriebsstrategien testen und das optimale Verhältnis zwischen Energiegewinnung und Speicherkapazität finden.

Um diesen komplexen Modellierungsprozess zu vereinfachen, bietet CATIA Systems in Dymola eine spezielle Wasserstoffbibliothek an . Diese Bibliothek basiert auf der offenen Standardsprache Modelica und ermöglicht die schnelle, gleichungsbasierte Simulation von physikalischen Systemen mit mehreren Domänen (1.1.1 ). Anstatt schwer auffindbare, proprietäre chemische Gleichungen zu benötigen, ist die Bibliothek für die einfache Parametrisierung mithilfe von Standardherstellerspezifikationen ausgelegt.
Die Bibliothek bietet sofort einsatzbereite Modelle für kritische Systemkomponenten, darunter:
Durch die Verwendung dieser vorgefertigten Komponenten können Ingenieure schnell komplette Wasserstoff-Ökosysteme aufbauen. Dies vereinfacht die Durchführung von Optimierungsstudien zur Bestimmung der idealen Elektrolyseurkapazität für einen bestimmten Windpark oder eine Solaranlage und minimiert so die Rückspeisung überschüssiger Energie ins Netz.
Hochpräzise Systemsimulationen waren in der Vergangenheit spezialisierten Analyseteams mit fundierten Modelica- . Dassault Systèmes ändert dies, indem es Simulationsfunktionen über die 3DEXPERIENCE Plattform in die Cloud verlagert. Dank der webbasierten „System Simulation Designer“ und „System Simulation Analyst“ ist die Simulation nun für ein deutlich breiteres Publikum zugänglich.
Auch Anwender ohne Fachkenntnisse können direkt im Webbrowser mit vordefinierten Simulationsumgebungen interagieren. Sie können Komponenten einfach austauschen, Parameter anpassen, verschiedene Betriebsszenarien vergleichen und Berichte automatisch generieren. Diese Demokratisierung ermöglicht es Projektmanagern, Vertriebsingenieuren und Anlagenbedienern, datengestützte Entscheidungen zu treffen, ohne komplexe Desktop-Simulationsprogramme beherrschen zu müssen.
Die Wasserstofferzeugung ist nur die halbe Miete; seine Reinigung für industrielle Anwendungen ist ebenso entscheidend. Bei Anwendungen wie Brennstoffzellenfahrzeugen können selbst geringste Verunreinigungen den Brennstoffzellenstapel dauerhaft beschädigen. Die Prozessmodellierungs- und Engineering-Bibliothek (PME) in Dymola bietet Lösungen für diese Herausforderungen der nachgelagerten Reinigung.
Durch die Kombination der PME-Bibliothek mit Multiflash -Fluidkennwerten können Ingenieure fortschrittliche thermische Trenn- und chemische Reinigungsprozesse modellieren. Zwei Hauptmethoden werden intensiv simuliert:
Bei diesem Verfahren werden Gasströme auf extrem niedrige Temperaturen unter -240 °C abgekühlt. Bei diesen kryogenen Temperaturen verflüssigen und trennen sich Verunreinigungen wie Stickstoff, Sauerstoff und Wasserdampf, sodass Wasserstoff mit einem Reinheitsgrad von nahezu 100 % zurückbleibt.
Zur Feuchtigkeitsentfernung nutzen Absorptionssysteme Triethylenglykol, um Wasserdampf aus dem Wasserstoffstrom zu extrahieren. Das Glykol wird anschließend in einem zweiten thermischen Prozess regeneriert, wodurch ein kontinuierlicher, hocheffizienter Trocknungszyklus gewährleistet wird.
Um zu verstehen, wie diese spezialisierten Werkzeuge in Ihren Arbeitsablauf passen, sehen wir uns an, wie die Wasserstoffbibliothek und die PME-Bibliothek im Vergleich zueinander stehen:
| Funktion / Fähigkeit | Wasserstoffbibliothek | Prozessmodellierungs- und Engineering-Bibliothek (PME) |
| Hauptfokus | Energiebilanz auf Systemebene, Brennstoffzellen und Dimensionierung von Elektrolyseuren. | Chemische Reinigung, thermische Trennung und Fluidthermodynamik. |
| Hauptkomponenten | PEM-Elektrolyseure, Speichertanks, Brennstoffzellenstapel, Reformer. | Destillationskolonnen, Absorptionskolonnen, Wärmetauscher. |
| Integration von Fluideigenschaften | Standardmodelle für Gas-/Flüssigkeitsmedien. | Erweiterte thermodynamische Eigenschaften von Multiflash. |
| Typischer Anwendungsfall | Bestimmung des optimalen Batterie-Elektrolyseur-Verhältnisses für eine Anlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff. | Entwicklung einer kryogenen Destillationskolonne zur Erzielung einer Wasserstoffreinheit von 99,99%. |
Die größte Stärke von CATIA Dymola liegt in seinen multiphysikalischen Simulationsfunktionen. Es verbindet nahtlos Thermodynamik, Chemieingenieurwesen, Elektrotechnik und Steuerungstechnik in einer einzigen, einheitlichen Umgebung. Ingenieure können so den Betrieb einer Anlage über ein ganzes Jahr in nur wenigen Minuten simulieren und langfristige Betriebsrisiken sowie saisonale Effizienzverluste erkennen, bevor sie physische Anlagen anschaffen.
Diese schnellen virtuellen Tests beschleunigen die Entscheidungsfindung, schützen Kapitalinvestitionen und gewährleisten, dass die fertige Anlage für eine maximale Rendite optimiert ist. Angesichts der beschleunigten globalen Energiewende sind diese vorausschauenden Erkenntnisse kein Luxus mehr, sondern eine Wettbewerbsnotwendigkeit.
Sind Sie bereit, Ihre Arbeitsabläufe im Bereich der grünen Energie zu optimieren? Wie geht Ihr Team aktuell mit den Herausforderungen variabler erneuerbarer Energiequellen in Ihren Systemdesigns um?